Dass die Billigflieger ihren Verlust irgendwo wieder reinholen müssen, ist klar. Natürlich gibt es den Idealfall, dass nichts schief geht und man sich so verhält, dass man nicht drauf zahlt. Da ist es noch die leichteste Übung, nicht am Gewinnspiel im Flugzeug teilzunehmen, dort lieber zu dursten, als ein überteuertes Wasser zu bestellen, geschweige denn etwas zu essen.
Sein Gepäck kann man eventuell auch noch unter Kontrolle bringen, denn auch hier wird von vielen Billigfliegern abkassiert. Wer zu viel hat, zahlt pro Kilo. Und da kann der Preis auch mal schnell den eines Lufthansa-Tickets übersteigen.
Aber keine Chance hat man bei unvorhergesehenen Ereignissen, bei denen man die Hotline kontaktieren muss. Mit happigen 68 Cent pro Minute geht es los und endet bei unverschämten 1,86 Euro pro Minute.
Im konkreten Fall ging es darum, einen Flug zu stornieren. Das Problem war, dass bei der Buchung der Server abgestürzt ist. Es kam keine Bestätigungs-E-Mail und kein Bestätigungscode. Auch danach war der Server längere Zeit nicht erreichbar. Kein Lebenszeichen, als wurde der Flug noch einmal gebucht. Gleicher Name, gleiche Anschrift, gleicher Flug, gleiches Datum – alles gleich.
Als könne eine Fluggesellschaft nicht selber rausfinden, dass eine Person nicht zweimal zur gleichen Zeit fliegen kann, wurden dann irgendwann aber beide Tickets zugestellt. Den Fall, dass ein Christian Müller jetzt zufällig zweimal in einem Haus wohnt und diese am selben Tag irgendwohinfliegen wollen und den Fall, dass man sich aus Platzgründen 2 Plätze reserviert kann man meiner Meinung nach getrost vernachlässigen.
Nungut. Also einen stornieren, ganz klar. Aber wie? Die Hotline hat eine 0900er Nummer. 68 Cent pro Minute. Na gut, ganz schnell, schnell sprechen, die Seitenhiebe wie unverschämt diese Nummer ist, in Nebensätze verpacken und die Reaktion auf diese am besten garnicht erst abwarten, sondern direkt übersprechen, bis man mit seinem Anliegen durch ist. Zum Ende des Gesprächs hin jedoch die angefangene Minute aufbrauchen, um der gleichen nochmal zu betonen.
Die ersten 2-3 Minuten gehen übrigens schon mit dem Ansageband verloren, das einen noch mehrmals auf mehreren Sprachen darauf hinweist, wie dumm man eigentlich ist, bei solch einer Nummer anzurufen.
So sagte der, dennoch freundliche Mensch von der Hotline, es wäre kein Problem, einen zu stornieren. Gerade dann nicht, wenn es zweimal der gleiche Name sei. Er hätte da eine Rufnummer. Freude steigt auf – eine Rufnummer!, Ja! und die Nachfrage “Eine Festnetzrufnummer?” – “Ja, ist Festnetz”. “Die Nummer lautet 0900…”. “Haben Sie keine richtige Festnetznummer? Da zahle ich doch wieder 68 Cent pro Minute, ich finde das eine Unvershämtheit!”. “Nein, wir haben nur die, und die kostet keine 68 Cent pro Minute. Die kostet 1,86 EUR pro Minute!”. Nunja, von einer schriftlichen Anfrage in’s Ausland zum Firmensitz wurde mir auch mehr oder weniger abgeraten. Im Idealfall käme ein Schreiben zurück mit der Bitte, die Nummer anzurufen.
Die Frage, ob eigentlich mehrere Kunden meinen, sie seien unverschämt, quittierte der Mitarbeiter mit dem Satz “Ja, aber man gewöhnt sich daran.”.
Also ab zur nächsten Hotline. Immerhin versprach mir Mitarbeiter Nummer 1, es gäbe keine Warteschleife und die Sache wäre innerhalb von 2 Minuten erledigt. Also wieder eine Hinweis “Ab dem Signalton kostet es 1,86 EUR pro Minute – Piep”. Als nächstes wieder das bekannte Band, mehrsprachig, das einem sprichwörtlich sagt “Du dachtest eben, Du wärst ein Depp? Aber wir sagen Dir jetzt, dass Du ein richtiger Vollidiot bist.” OK, keine Warteschlange war gelogen, dachte ich. Aber doch, der Mitarbeiter 1 hatte Recht. Die nächste Ansage verriet mir, dass im Moment keine freien “Agents” zur verfügung stehen, ich solle es später noch einmal versuchen. Wenigstens wird danach die Leitung nicht freigehalten sondern (so hörte es sich zumindest an), aufgelegt.
Also gut. Es handelt sich nicht um ein normales Telefonat. Anrufen, Besetztzeichen hören und neu versuchen geht nicht. Es kostet bei jeden Versuch. Sicher wünscht der Kunde sich auch so etwas. Ein Pokerspiel beim anrufen. Nur dass man in Deutschland beim Glücksspiel nicht gewinnen darf - solange es nicht staatlich beaufsichtigt wird. Also kann man nur verlieren. Hat ja auch seinen Reiz.
Also die richtige Sekunde abgepasst – die Sekunde in der man meint, es könnte gerade jemand aufgelegt haben und man würde genau JETZT – wie beim Hot Button den man bei 9 Live kennt, nur noch etwas teurer – genau JETZT wird man durchgestellt. Und in der Tat hatte ich Glück, nach dem üblichen Gelaber ging sogar ein Mitarbeiter ran, der sogar helfen konnte. Nach ein bisschen Verhandeln – nein, der erste Flug muss storniert werden, nicht der zweite. Ja, Sie sagen das geht nicht, ich bin mir aber sicher, dass das geht. Die Seitenhiebe darauf beschränkt, dass er ja sicher wüsste, was ich von den Kosten für dieses Telefonat halte. Und bei Nachfrage, ob die Telefonkosten auch gutgeschrieben würden lachte er und meinte, wir könnten aber schon jetzt auflegen.
Fazit: Die Bahn schreibt wenigstens gleich auf’s Ticket, dass die Stornierung 15 EUR kostet. Das ist schon, nennen wir es mal – Kundenunfreundlich. Die 15 EUR sind wir bei RyanAir jetzt auch los. Dafür stand das aber nirgendwo und es war nicht selbst verschuldet. Im Gegensatz zu einer Nichtstornierung hat sich die Sex-Hotline-Nummer extrem teure Rufnummer doch gelohnt. Aber eines ist klar: Nie wieder RyanAir!
Und wenn mal jemand überlegen sollte RyanAir oder 15 EUR mehr, dann sollte dieser Beitrag bei einer Entscheidung helfen.