Letzte Woche habe ich mich auf die Suche nach einem Navigationsgerät gemacht. Meine Ansprüche waren zuerst niedrig geschraubt. Es sollte mir den richtigen Weg weisen und im unteren Preissegment liegen.
Als ich mich dann näher in das Thema reingelesen hatte, stiegen jedoch auch die Ansprüche und ich habe entdeckt, dass Navigationsgeräte inzwischen nicht mehr nur navigieren, sondern noch vieles mehr machen.
Da gibt es Spielereien wie ein eingebauter MP3-Player, die Benutzung des Navs als Bluetooth-Freisprecheinrichtung für’s Handy – teilweise sind sogar Spiele mit dabei. Aber das brauchte ich nun wirklich nicht. Eher, auf den ersten Blick nützliche Features sind TMC bzw. TMCPro, MapShare von TomTom und Spurassistenten.
Nachdem ich mich durch die Produktbewertungen bei amazon gekämpft habe machte sich aber Ernüchterung breit. MapShare von TomTom hört sich zwar sinnvoll an, aber ob es das bringt war für mich die Frage und die Kunden fanden es wohl auch nicht so toll. So kann man angeblich Straßensperrungen eingeben, man kann aber keine neue Straße einbauen oder eine Kreuzung gegen einen Kreisverkehr austauschen. So ist fraglich, wie aktuell denn dann die Karten-Updates sind, wenn eine Straße einmal einen Tag gesperrt war. Und wenn man mal an eine gesperrte Straße kommt ist klar, was man macht: Einfach rechts oder links abbiegen und dann wird die Navigationssoftware schon reagieren und eine neue Route berechnen. Es kommt also eher darauf an, dass schnell eine Ausweichroute berechnet wird.
TMC vs. TMCPro war die nächste Frage – ohne TMC wollte ich gar nicht. TMC (Traffic Message Channel) entspricht den normalen Verkehrmeldungen, wie man sie auch aus dem Radio kennt. Und wer kennt das nicht – da wird ein 5-Kilometer-Stau gemeldet. Kommt man an die angebliche Staustelle, ist weit und breit nichts zu sehen und der Verkehr fließt. Der schlechtere Fall ist, man kommt in einen 10 Kilometer langen Stau aber im Verkehrsfunk wird dieser erst stunden später gemeldet. Mit TMC muss man also Glück haben. Mal stimmt es, mal ist es nicht aktuell oder veraltet. Aber es kommt schon vor, dass es einem weiterhilft.
Wird TMC oder TMCPro vom Nav unterstützt, sollte die Software also die Verkehrsmeldungen berücksichtigen und eine Ausweichroute vorschlagen – am Stau vorbei. Die Alternative ohne TMC ist: Beim Stau von der Autobahn runter und der Navigation erst einige Kilometer weiter weiter folgen. Habe ich auch mal gemacht – leider bin ich nicht weit genug gefahren und die Navigation hat mich direkt an wieder an das Stau-Ende geleitet.
TMCPro ist nun der kostenpflichtige Nachfolger von TMC. Mit dem Kauf des Geräts wird automatisch eine Lizenzgebühr fällig um den Service nutzen zu dürfen. TMCPro soll automatisch arbeiten. Durch Sensoren an Autobahnen wird die Verkehrsdichte und der Verkehrsfluss gemessen und so Daten über Staus oder stockenden Verkehr gewonnen. Hört sich prima an, laut Kundenmeinungen solle dies aber zumindest bei den teureren Geräten von TomTom nicht so reibungslos funktionieren. Grund ist wohl, dass das Gerät ständig auf der Suche nach einem Sender ist, aber keinen findet.
Nächster Punkt war Europa-Karte vs. Deutschlan,Österreich und die Schweiz. Kauft man sie gleich, hat man sie. Will man sie später erst dazu kaufen, wird es nochmal teuer. Weiterer Nachteil bei dem günstigsten Gerät von TomTom (One T Regional), nur 512 MB fester Speicher und keine Möglichkeit eine Speicherkarte einzusetzen. So kann man wohl die Europakarten später dazu kaufen, es ist aber nicht genügend Platz vorhanden, diese komplett auf das Gerät zu spielen.
Ich habe mich also soweit entschieden: Eine gute Navigation sollte das Gerät bieten, TMC sollte dabei sein, TMCPro musste nicht sein. Europakarte wäre toll, muss nicht sein, aber aufrüstbar. Also entweder genug interner Speicher oder ein Kartenslot. Achja, dann habe ich beim Navü von Garmin noch gesehen, dass man die TMC-Antenne extra ausklappen muss. Auch darauf wollte ich verzichten – es geht auch ohne Ausklappung!
Entschieden habe ich mich letztendlich für das Navigon 2110 mit folgenden Features:
- Europa-Karte
- Kartenslot
- Spurassistent
- gute Navigation
- Navigationsprofile für schnelle, kürzeste, optimale und besonders schöne Route
- Viele Sonderziele
- (Blitzerwarner)
- TMC, Antenne im Ladekabel integriert
- Geschwindigkeitsanzeige
- Geschwindigkeitswarnung
(Die Liste ist sicher nicht vollständig, gibt aber die für mich wichtigen Features wieder).
Der kleinere Bruder ist übrigens das Navigon 2100, das für ein paar Euro weniger dann keine Europakarte hat.
Erfahrungsbericht
Ausgepackt und zu Hause mit meinem Zigarettenanzünder-Adapter unter dem Dachfenster geladen. Angeblich kann es bis zu zwanzig Minuten dauern, bis die Satelliten beim ersten Einschalten lokalisiert sind. Ging aber recht schnell, wenige Minuten.
Man kann dann viele Sachen einstellen. Zum Beispiel die Toleranz, wann der Geschwindigkeitswarner warnen soll – inner- und Außerorts. Man wählt, wie das Routenprofil aussehen solle (Reizvolle Route, Schnell, Optimal, Kurz) und wie schnell der PKW ist bzw. ob man ein Motorrad etc. benuzt.
Bei der erstesn Fahrt quer durch Hamburg habe ich die “optimale” Route gewählt, da ich nicht wollte, dass ich direkt auf die Autobahn gelotst werde. Das war nicht so sinnvoll, der Weg kam mir schon sehr lang vor. Auf dem Rückweg mit “schneller Route” ging es besser und auch ohne Autobahn.
Der Fahrspurassistent hilft nicht immer, sagt aber an vielen Kreuzungen auf welcher Spur man sich einordnen darf. Die Ansagen sind meistens gut und richtig. Es kann aber vorkommen, dass die Ansage sagt man solle links fahren. Auf dem gut zu erkennenden Display und der sehr gut gekennzeichneten Route sieht man aber, dass man geradeaus fahren muss. Man kann sein Gehirn also nicht ausschalten, mit Bildschirm und Ansage zusammen kommt man aber gut an sein Ziel. Der Weg von der Reeperbahn zum Bahnhof wurde auch sehr gut gemeistert. Einzige Verwirrung machte sich auf der Straße breit. Wäre ich den Wegweisern zum Bahnhof gefolgt, würde ich wohl heute noch durch Hamburg irren. Also im Zweifel auf die Navigation hören und die Schilder auf der Straße nicht beachten. Natürlich nur die Wegweiser, Geschwindigkeits-, Vorfahrts- und Einbahnstraßenschilder auf der Straße haben Vorrang. Zwar zeigt die Navigationssoftware auch oft an, wie schnell man fahren darf und warnt wenn man zu schnell ist. Aber dass nicht jede 30er Zone erfasst ist und Baustellen fehlen ist klar.
Die Ansage ist etwas blechern, aber gut verständlich. Mit dem TMC über die Antenne im Ladekabel hatte ich keine Probleme. Sender wurden gefunden. Einen Stau musste ich aber noch nicht umfahren.
Sehr viele Sonderziele sind gespeichert und in Kategorien eingeordnet. S-Bahnhöfe, U-Bahnen, Restaurants, Banken, Kaufhäuser uvm. sind gespeichert. So kann man auch mal in der Navigation schauen, wo man zu Abend essen will.
Ich kann das Gerät bis jetzt also nur empfehlen. Und wie gut der Versand über Amazon geklappt hat, habe ich hier ja schon berichtet. Das Gerät kam innerhalb von 48 Stunden bei mir an – trotz Versandpause weil ich etwas falsch eingegeben hatte.